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Energiewirtschaft Leistungspreis für Strom: Wie die Netzentgelte ab 2027 berechnet werden
Das Wichtigste in Kürze
Die E-Control hat am 12. Oktober 2026 die neue Netzentgelt-Verordnung erlassen. Ab 2027 zählt neben der Strommenge die höchste Viertelstundenleistung des Monats, das Verhältnis soll in Stufen auf 50 zu 50 steigen.
Als Durchschnitt für die Endstufe nennt die E-Control 33,82 Euro je kW und Jahr bis 10 kW, das Doppelte darüber. Der Arbeitspreis sinkt dafür von 7,36 auf 4,53 Cent je kWh, Pauschale und Messentgelt entfallen.
Rund 75 Prozent der Zählpunkte zahlen weniger. Ein Haushalt mit E-Auto, der mit 11 kW lädt, zahlt rund 21 Prozent mehr - mit 4 kW Ladeleistung dagegen weniger als heute.
Für Haushalte startet der gemessene Leistungspreis je Netzgebiet zwischen 1. Jänner 2027 und spätestens 1. Juli 2028. Die Preise stehen erst in der Tarifverordnung, die für Dezember 2026 angekündigt ist.
Was die E-Control am 12. Oktober 2026 verordnet hat
Bisher hing die Netzrechnung eines Haushalts fast nur an der Strommenge: Rund 90 Prozent der Netzkosten kamen laut E-Control über den Arbeitspreis je Kilowattstunde herein, rund 10 Prozent über eine Pauschale. Ob jemand seine 3.500 kWh gleichmäßig über den Tag bezog oder jeden Abend mit 11 kW das Auto lud, machte keinen Unterschied - obwohl Leitungen und Trafos für die Spitze gebaut werden müssen, nicht für die Jahresmenge.
Die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung(https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2026_II_299/BGBLA_2026_II_299.html) (SNE-G-V, BGBl. II Nr. 299/2026) dreht das um. Sie wurde am 12. Oktober 2026 kundgemacht, stützt sich auf das Elektrizitätswirtschaftsgesetz(https://www.energiemagazin.at/elwg-elektrizitaetswirtschaftsgesetz/) und gilt ab 1. Jänner 2027. Fünf Dinge ändern sich:
Leistungspreis für alle: Neben der Strommenge zählt künftig die höchste Viertelstundenleistung des Monats. Das Verhältnis von Arbeits- zu Leistungspreis soll in Stufen auf 50 zu 50 steigen.
Zeitvariable Arbeitspreise: Der Sommerrabatt SNAP bleibt, ab Oktober 2027 kommt ein Winterrabatt für die Nacht dazu.
Flexible Entnahme: Wer dem Netzbetreiber zwei Sperrfenster am Tag zugesteht, zahlt für diesen Teil der Leistung deutlich weniger.
Neues Netzanschlussentgelt(https://www.energiemagazin.at/netzanschlussentgelt/): Es besteht aus einem aufwandsbezogenen und einem pauschalen, leistungsbezogenen Anteil.
Regeln für systemdienliche Speicher: Großspeicher können von Netzentgelten befreit werden, wenn sie dem Netz nachweislich nützen.
Mehr Geld soll dabei nicht hereinkommen. Die Summe der Netzkosten(https://www.energiemagazin.at/netzkosten-in-oesterreich/) bleibt gleich, sie wird nur anders verteilt. Die E-Control(https://www.e-control.at/konsumenten/systemnutzungsentgelte-grundsatz-verordnung) rechnet damit, dass langfristig rund 300 Millionen Euro an jährlichen Netzkosten vermieden werden, wenn Autos und Speicher nicht mehr gleichzeitig mit voller Leistung laden.
So wird die Monatsspitze gemessen
Verrechnet wird der höchste Viertelstundenleistungswert eines Kalendermonats. Die Verordnung definiert ihn als die über 15 Minuten gemessene durchschnittliche Entnahmeleistung. Der Unterschied zur Momentanleistung ist groß: Ein Wasserkocher mit 2 kW, der drei Minuten läuft, schlägt in seiner Viertelstunde mit 0,4 kW zu Buche. Backrohr, Föhn oder Staubsauger treiben die Monatsspitze deshalb kaum. Was zählt, sind Geräte, die eine Viertelstunde und länger mit hoher Leistung ziehen: Wallbox, Wärmepumpe mit Heizstab, Sauna, Durchlauferhitzer, Boiler.
Die Daten liefert der Smart Meter(https://www.energiemagazin.at/smart-meter-in-oesterreich-alle-fragen-beantwortet/). Auch wer der Speicherung von Viertelstundenwerten widersprochen hat, entkommt dem Leistungspreis nicht: Der Zähler hält in der Opt-out-Einstellung weiterhin den höchsten Viertelstundenwert des Monats fest. Fehlt ein Messwert, bildet der Netzbetreiber einen Ersatzwert (§ 3 der Verordnung).
Zwei Untergrenzen und eine Schwelle stehen fix im Text: Auf Netzebene 7, also bei Haushalten und Kleingewerbe, werden mindestens 2 kW verrechnet. Und der Leistungspreis hat zwei Stufen - eine für die ersten 10 kW, eine höhere für alles darüber.
Was der Leistungspreis kostet
Die Verordnung legt nur die Struktur fest. Die Preise je Netzgebiet folgen in der Tarifverordnung, die die Regulierungskommission der E-Control laut Ankündigung im Dezember 2026 erlässt. Wie die Größenordnung aussieht, hat die Behörde aber bei ihrer Fachveranstaltung im Juli 2026(https://www.e-control.at/documents/1785851/1811582/03-Karin-Emberger-FachVA-GrundsatzVO-14072026.pdf/ea12f281-8d5e-3724-9869-b9014f0fab92?t=1784034800793) vorgerechnet - als österreichweiten Durchschnitt für die Endstufe 50 zu 50, ohne Umsatzsteuer:
Bestandteil Heute (Durchschnitt) Endstufe 50:50
Arbeitspreis 7,36 Cent/kWh 4,53 Cent/kWh
Pauschale 54,00 € pro Jahr entfällt
Messentgelt 28,80 € pro Jahr entfällt
Leistungspreis bis 10 kW - 33,82 € je kW und Jahr
Leistungspreis über 10 kW - 67,64 € je kW und Jahr
Illustrative Werte der E-Control auf Basis der Smart-Meter-Daten 2024. Je Netzbereich wird ein eigener Tarif gerechnet.
Umgelegt auf den Monat kostet ein Kilowatt Spitze also rund 2,82 Euro, jenseits der 10 kW rund 5,64 Euro. Für den typischen Haushalt mit 3.500 kWh und 4,4 kW Monatsspitze sinkt die Netzrechnung damit von rund 340 auf rund 307 Euro. Die E-Control hat sechs Musterkunden durchgerechnet:
Musterkunde Jahresverbrauch Mittlere Monatsspitze Netzentgelt in der Endstufe
Kleiner Haushalt 1.800 kWh 2,0 kW minus 31 %
Haushalt 3.500 kWh 4,4 kW minus 10 %
Wärmepumpe 8.700 kWh 7,0 kW minus 12,4 %
Landwirt 50.000 kWh 27,0 kW plus 1 %
E-Auto, ungesteuert 7.000 kWh 11,0 kW plus 21 %
E-Auto mit flexibler Entnahme 7.000 kWh 11,0 kW minus 8,5 %
Quelle: E-Control, Fachveranstaltung 14. Juli 2026. Statische Rechnung ohne Verhaltensänderung.
Über alle Zählpunkte gerechnet zahlen laut E-Control 75 Prozent weniger (im Schnitt 63 Euro pro Jahr), 22,8 Prozent mehr (im Schnitt 198 Euro). Die Verlierer sind Haushalte mit hoher Spitze im Verhältnis zum Verbrauch.
Bis zu welcher Spitze Sie günstiger fahren
Mit den Durchschnittswerten lässt sich für jeden Verbrauch ausrechnen, ab welcher Monatsspitze die neue Rechnung teurer wird als die alte. Die Ersparnis beim Arbeitspreis (2,83 Cent je kWh) und die entfallenden Fixbeträge (82,80 Euro) stehen dem Leistungspreis gegenüber:
Jahresverbrauch Netzentgelt heute Günstiger bis zu einer Monatsspitze von
1.500 kWh 193 € 3,7 kW
2.500 kWh 267 € 4,5 kW
3.500 kWh 340 € 5,4 kW
5.000 kWh 451 € 6,6 kW
7.000 kWh 598 € 8,3 kW
9.000 kWh 745 € 10,0 kW
Eigene Berechnung mit den Durchschnittswerten der E-Control für die Endstufe, bei gleicher Spitze in allen zwölf Monaten. In Ihrem Netzgebiet weichen die Werte ab.
Zum Start fällt der Leistungspreis niedriger aus. Im Juli ging die E-Control von rund 19 Euro je kW als Einstiegsniveau aus, je nach Netzbereich 15 bis 26 Euro. Bei der Präsentation der Verordnung nannte Vorstand Michael Strebl laut ORF(https://orf.at/stories/3444842/) einen Leistungsanteil von 40 Prozent für die erste Phase. Verbindlich ist erst die Tarifverordnung.
Wallbox: dieselbe Strommenge, andere Rechnung
Am deutlichsten zeigt sich die neue Logik beim E-Auto. Ein Haushalt mit 7.000 kWh im Jahr - die Hälfte davon fürs Auto - zahlt heute im Durchschnitt 598 Euro Netzentgelt, egal wie er lädt. In der Endstufe entscheidet die Ladeleistung:
Monatsspitze Typische Situation Netzentgelt pro Jahr Gegenüber heute
13 kW 11 kW laden, während gekocht wird 858 € plus 260 €
11 kW 11 kW laden, Haus in Ruhe 723 € plus 125 €
10 kW Lastmanagement deckelt bei 10 kW 655 € plus 57 €
7,4 kW gedrosselt laden plus Grundlast 567 € minus 31 €
5 kW mit 4 kW laden, nachts 486 € minus 112 €
Eigene Berechnung: 7.000 kWh × 4,53 Cent plus Leistungspreis (33,82 € je kW bis 10 kW, 67,64 € darüber), gleiche Spitze in allen Monaten.
Zwischen der schlechtesten und der besten Zeile liegen 372 Euro im Jahr - bei identischem Verbrauch. Der Sprung über die 10-kW-Schwelle ist dabei der teuerste: Jedes Kilowatt darüber kostet doppelt.
Die E-Control empfiehlt, die Ladeleistung von 11 auf 4 kW zu senken. Für den Alltag reicht das fast immer: 10 kWh, genug für rund 50 Kilometer, sind mit 4 kW in zweieinhalb Stunden nachgeladen, 40 kWh in zehn Stunden. Wer gelegentlich schneller laden muss, zahlt den höheren Leistungspreis nur für diesen einen Monat. Bei der Wahl der Wallbox(https://www.energiemagazin.at/wallbox-kaufberatung/) wird damit eine Funktion wichtig, die bisher als Extra galt: dynamisches Lastmanagement, das die Ladeleistung zurücknimmt, sobald im Haus andere Verbraucher laufen. Wie sich die Leistung auf die Ladezeit(https://www.energiemagazin.at/e-auto-ladezeit/) auswirkt, hängt vom Akku und vom Bordlader ab.
Wärmepumpe: gleichmäßig schlägt sparsam
Der Musterkunde mit Wärmepumpe steigt in der E-Control-Rechnung mit minus 12,4 Prozent als Gewinner aus: Viel Verbrauch bei moderater Spitze ist genau das Profil, das das neue System belohnt. Das gilt aber nur, solange die Spitze moderat bleibt. Strebl rät deshalb, die Wärmepumpe gleichmäßiger laufen zu lassen und etwa die Nachtabsenkung auszuschalten - sonst holt das Gerät in der Früh mit voller Leistung auf, was es in der Nacht eingespart hat.