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"Keine kleinen Pflaster, sondern konsequente Beträge"

Interview mit Martine Hansen im De Lëtzebuerger Bauer

Gespräche

Crée le 23.10.2026

Zum letzten Mal aktualisiert am 23.10.2026

Interview: Luxemburger Wort (Martina Folscheid)

Luxemburger Wort: Martine Deprez, Sie sprachen auf der Quadripartite von einer strukturellen Herausforderung für das Gesundheitssystem. Sind die Beitragserhöhung und die Einsparungsvorhaben eine Antwort darauf oder eher ein teures Pflaster auf eine Wunde?

Martine Deprez: Also, ich weiß nicht, ob man bei 95 Millionen und 200 Millionen von kleinen Pflastern reden kann. Das sind schon konsequente Be träge. Pflaster wären es, wenn wir jetzt die ein oder andere Leistung abschaffen oder nur bei dem ein oder anderen Leistungserbringer etwas wegnehmen würden.

Luxemburger Wort: Schließen Sie tiefergreifende Maßnahmen noch in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode aus?

Martine Deprez: Wir treffen uns im Grunde in der Gesundheitskasse zwei Mal jährlich. Und der Verwaltungsrat trifft sich alle zwei Wochen. Da wird ein permanentes Monitoring der Ein nahmen und Ausgaben gemacht. Das heißt, wir sind stets auf dem neuesten Stand der finanziellen Situation. Das Budget muss im Gleichgewicht sein, dementsprechend müssen die Einnahmen die Ausgaben decken. Bisher hat der Verwaltungsrat in dem Sinne immer seine Verantwortung übernommen, um an verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Verschiedene Maßnahmen wie die Maîtrise médicalisée wurden nach und nach eingeführt. Nun unternehmen wir zum ersten Mal seit 2011 eine wirklich große Anstrengung. Der Staat ist schon in diesem Jahr mit 39 Millionen Euro in Vorleistung gegangen, die er auch in den nächsten vier Jahren hineingeben wird. Wir haben ein Comité stratégique aufgesetzt, das jetzt alle diese Maßnahmen von der Maîtrise médicalisée bis zum Kampf gegen Missbrauch und Be trug umsetzen wird. Das wird über die nächsten Jahre verteilt bis zu 95 Millionen Euro pro Jahr ausmachen. Um diese Maßnahmen zu unterstützen, erhöhen wir die Beiträge um 0,125 Prozent für Versicherte und Arbeitgeber, und der Staat legt nochmal 40 Prozent dazu. Damit kommen wir mindestens bis 2030 über die Runden – in der aktuellen ökonomischen Lage. Aber wir wissen ja, wie volatil diese ist, das heißt, wir müssen egal wie jedes Jahr schauen. Im März werden die Sozialpartner, der Finanzminister und ich uns nochmal zusammensetzen, um gegebenenfalls mehr strukturelle Änderungen vorzunehmen. Zum Beispiel hinsichtlich der 20 Prozent, die im Moment bei der Finanzierung der Krankenhausstrukturen noch über die Gesundheitskasse laufen – dass wir die je nach Situation ins Budget übernehmen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Luxemburger Wort: Bei den Maßnahmen setzen Sie auf den gezielteren Einsatz von Medikamenten. Und auch die Pharmaindustrie soll ihren Beitrag in Form einer Steuer leisten. Rechnen Sie mit hartem Widerstand und riskiert man so, dass Pharmaunternehmen den luxemburgischen Markt bei Lieferengpässen stiefmütterlich behandeln?

Martine Deprez: Eher nicht. Die ersten Gespräche verliefen relativ ausgeglichen. Die Pharmaunternehmen springen natürlich nicht vor Freude in die Luft. Aber im Ausland gibt es Prozentsätze, von denen wir nur träumen können. Wir sind hier zunächst mal mit einem ganz kleinen Prozentsatz in die Diskussionen eingestiegen und werden schauen, wie die Reaktionen ausfallen. Wir haben nicht das Ge fühl, auf taube Ohren zu stoßen.

Luxemburger Wort: Wie hoch wird der Prozentsatz denn sein?